Architekt muss Werkstatt- und Montagepläne der ausführenden Unternehmen auf Übereinstimmung mit Ausführungsplanung prüfen

Die Werkstatt- und Montagepläne der ausführenden
Unternehmen sind vom Architekten auf Übereinstimmung
mit der Ausführungsplanung zu prüfen. In
der HOAI 2013 ist nunmehr klargestellt, dass diese
werkvertragliche Pflicht auch zum Grundleistungskatalog
der Objektplanung Gebäude in der Leistungsphase
5 gehört. Diese Leistung ist kongruent
mit den Regelungen der VOB/B, wonach die ausführenden
Unternehmen ihre Werkstatt- und Montageplanung
dem Auftraggeber vorzulegen haben. Das
zumindest aus der Verkehrssitte resultierende
anschließende Freigabeerfordernis bedingt eine vorherige
Überprüfung der Pläne durch den Architekten.

Das Ziel dieser Prüfung ist die Sicherstellung der Einhaltung
des Planungsgedankens und der Wirtschaftlichkeit
sowie die Vermeidung von Widersprüchen
Die Planfreigabe im Verhältnis zum ausführenden Unternehmen
(Ablauf und Inhalt der Prüfung)
sollte vertraglich eindeutig geregelt werden.

In Bezug auf die Leistungen der anderen an der Planung
fachlich Beteiligten ist gemäß HOAI jedoch
nur eine Integration und Koordination von deren
Leistungen vorgesehen. Hinsichtlich der Schalpläne
des Tragwerksplaners besteht daher nach dem
Leistungsbild der HOAI nur eine Koordinationspflicht,
die die zeitliche und inhaltliche Abstimmung
der Tätigkeiten beinhaltet sowie die Sicherstellung,
dass der Tragwerksplaner die richtigen
Pläne zugrunde legt. Eine Integrationsleistung der
Schalpläne scheidet aus, da sie in Ergänzung der
fertig gestellten Ausführungspläne des Objektplaners
erstellt werden. Eine Integration oder Prüfung
der Schalpläne ist für die Ausführung nicht mehr
erforderlich, ausgenommen hiervon ist die vorgeschriebene
statische Prüfung durch den Prüfstatiker.

Zudem sieht die HOAI bereits im Leistungsbild
Technische Ausrüstung die Prüfung der Schalpläne
auf Übereinstimmung mit der Schlitz- und
Durchbruchsplanung als Besondere Leistung vor.
Da es in der baubegleitenden Planung jedoch bis
zum letztmöglichen Zeitpunkt vor Ausführung
noch zu Änderungen kommen kann, ist es für eine
effiziente Leistungserbringung unabdingbar, vor
der Ausführung die Stimmigkeit der Planung
nochmals durch die Planer prüfen zu lassen, um
teure Mängelbeseitigungs- und Anpassungsmaßnahmen
nach Ausführung zu vermeiden.

(Jochem/Kaufhold, HOAI-Kommentar, 5. Aufl. 2012, § 53 Rdnr.66).
Hierbei
handelt es sich für den Architekten allerdings um
eine Besondere Leistung, die gesondert zu beauftragen
und nicht mit dem Grundleistungshonorar
abgegolten ist. Sie könnte – analog zum TGA-Planer
– wie folgt formuliert werden: „Prüfen und
Anerkennen von Schalplänen des Tragwerksplaners
auf Übereinstimmung mit der Schlitz- und Durchbruchsplanung
und der Ausführungsplanung Rohbau“.

Die Überprüfung dieser Pläne wie auch der Werkstatt-
und Montagepläne der bauausführenden
Unternehmen ist für den Bauherrn aber auch deshalb
von besonderer Bedeutung, weil er sich unter
Umständen die Mitverursachung eines Schadens
durch den von ihm beauftragten planenden Architekten
als Obliegenheitsverletzung gegen sich selbst
zurechnen lassen muss. Der Architekt hat zwar –
wie eingangs dargelegt – als Entwurfsverfasser und
bei der Koordination, Integration und Überprüfung
der Planungsleistungen eine zentrale Rolle,
seine Leistungspflichten sind allerdings nicht allumfassend
und schützen den Bauherrn nicht, wo
eigene Obliegenheiten eingreifen. Der Bauherr
muss daher seine eigenverantwortliche, zentrale
Rolle und seine Pflichten in der Bauwerksplanung
wahrnehmen und gegebenenfalls durch die Beauftragung
von Besonderen Leistungen und/oder Einschaltung
von Projektsteuerern sicherstellen.

(Siehe zu den Grenzen der Koordinationspflichten des Architekten
auch Fischer, Koordinierungspflichten der Planungsbeteiligten,
BauR 2014, 1999ff., 2014 f.)

Hierbei ist im Sinne eines störungsarmen Planungs-
und Bauprozesses zu empfehlen, dass Bauherr,
Architekt, TGA-Planer und Tragwerksplaner
die jeweiligen Planungsschnittstellen, Planläufe
und Leistungen vor Planungsbeginn detailliert
abstimmen und auch den Umfang der gegenseitigen
Prüfpflichten festlegen.